1 x 1 der Rasenpflege und Sportplatz-Nutzung
Ein guter Fussballrasen entsteht durch Konstanz: zuerst die Massnahmen, die täglich/wöchentlich den Bestand steuern (Mähen, Nährstoffe, Wasser) – danach die Regeneration und Bodenpflege (Filzmanagement, Nachsaat, Sand, Aerifizieren, Tiefenlockerung) sowie ein sauberes Belastungsmanagement. Das heisst, wenn ein oder sogar mehrere Faktoren nicht stimmen, kommt es zu einem Ungleichgewicht, welches oftmals mit Mehraufwand korrigiert werden muss.
1) Rasen mähen – die wichtigste Pflegemassnahme
Der Schnitt der Gräser hat einen direkten Einfluss auf die Dichte, Belastbarkeit, Optik, Gräserzusammensetzung und Krankheitsanfälligkeit. Häufiges und sauberes Mähen fördert die Seitentriebe/Bestockung → dichter „Teppich“
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Schnitthöhe häufig 35–50 mm, nach Möglichkeit nicht dauerhaft unter 30 mm
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Scharfe Messer sind Pflicht: regelmässig schleifen, stumpf = Quetschungen, ausgefranste Spitzen, Stress, Eintrittspforten für Krankheiten
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Regeln: 1/3-Regel (nie mehr als 1/3 der Höhe abschneiden), Beispiel: 60 mm Höhe → Schnitt auf 40 mm. Zu hoch geratener Rasen stufenweise auf das gewünschte Niveau anpassen. Kahle Rasenschnitte sehen nicht schön aus, können Ausfälle geben und haben lange zum Regenerieren.
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Frequenz: 30–50 Schnitte pro Saison (März–Nov.), je nach Wachstum alle 4–10 Tage, in starken Wachstumsphasen häufiger mähen.
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Tiefer Schnitt lässt den Boden schneller austrocknen (mehr Sonne auf der Oberfläche). Bei weniger Blattmasse, wird auch weniger assimiliert und somit haben wir weniger Wurzelwachstum, beziehungsweise findet weniger Regeneration statt.
Maschine & Ausführung
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Spindelmäher: top Schnittbild, ideal bei konstantem Regime – empfindlicher bei zu hohem Aufwuchs
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Sichelmäher: robuster, verzeiht höheren Aufwuchs – Schnittbild je nach Schärfe weniger fein
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2) Düngen
Sport- und Fussballrasen sind stark belastet – entsprechend hoch ist der Nährstoffbedarf. Die Düngung fördert die Dichte, Wurzelkraft, Reparaturleistung (Regenerationskraft), Stress- und Krankheitsresistenz.
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Praxis: 3–6 Gaben/Jahr (Ende März bis Oktober), gleichmässig ausbringen (kreuzweise). Besser in kürzeren Abständen düngen mit kleineren Gaben.
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Faustwert: ca. 20–40 g Reinstickstoff/m²/Jahr (je nach Nutzung/Aufbau/Bewässerung).
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auf trockenem, frisch gemähtem Rasen ausbringen, bei Bedarf einwässern oder vor Niederschlag planen
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Nur düngen, wenn die Bodentemperaturen über 8 °C ist. Zu tiefe Temperaturen, kein aktives Bodenleben. Dünger nützt nichts.
Rasen-Nährstoffe
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Stickstoff (N): Wachstum/Regeneration/Farbe. Überdüngung = weich, krankheitsanfällig, flachere Wurzeln
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Phosphor (P): Wurzeln/Energie, wichtig bei Neu- und Nachsaaten
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Kalium (K): Zellstabilität, Stress- und Trockenheitstoleranz, Winterhärte
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Magnesium (Mg) + Spurenelemente: Photosynthese, Vitalität, Farbe
3) Wässern – richtiges Timing
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Ziel: Die richtige Menge an Wasser in den tiefen Wurzelraum zur Förderung der Tiefendurchwurzelung bringen. Ergibt weniger Trockenstress, stabile Narbe.
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Prinzip: selten, dafür durchdringend (längere Intervalle, genügend Menge), ideal früh morgens (weniger Wind und Verdunstung).
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Fehler: Dauerfeuchte fördert Filz, flache Wurzeln und Krankheiten. Förderung von falschen Grasarten wie zum Beispiel Poa annua, usw.
Mit folgender Tabelle lässt sich der Beregnungsabstand bestehender Rasenflächen grob aus Tagestemperatur und Wasserverbrauch ableiten:
| Tageshöchsttemp. (°C) | Wasserverbrauch (l/m²/Tag) | Beregnungsabstand (Tage) |
|---|---|---|
| > 35 | > 7 | 1 |
| 30 – 35 | 5 – 6 | 2 – 3 |
| 25 – 30 | 3 – 4 | 4 – 5 |
| 10 – 25 | 2 – 3 | 8 – 10 |
| < 20 | 1 – 2 | 10 – 15 |
Beispiel:
Bei 30 °C werden ca. 5 l/m²/Tag verbraucht. Wenn idealerweise pro Bewässerungszyklus 15 l/m² ausgebracht werden, ist die nächste Wassergabe nach 3 Tagen fällig. So kann der Wasserhaushalt für diese Situation stabil gehalten werden, abhängig von der Bodenart, Wind, Nutzung und natürlichen Niederschlägen.
Die Anleitung für das Wässern von Neusaat, Nachsaat und Rollrasen findet man auf der Seite Bewässerung.
4) Vertikutieren/Striegeln – Filz vermeiden, Narbe aktiv halten
Rasenfilz ist eine Anreicherung von organischer Masse an der Rasenoberfläche. Dieser Filz besteht aus abgestorbener Blattmasse, Ausläufern von Gräsern, Wurzeln und Schnittresten. Rasenfilz entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Neubildung und Abbau organischer Masse. Ursachen dafür sind unter anderem
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zu wenig Mikroorganismen in sandigen Bodenaufbauten
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Trockenheit
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zu schwache oder intensive Bewässerung
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einseitige Gaben mit rasch wirkenden Stickstoffdüngern
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Bodenverdichtung durch Benutzung (Fussballspiel)
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eingeschränkter Lufthaushalt im Boden (durch Verdichtung).
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Durch schlechte oder ohne Schnittgutaufnahme (Mulchen)
Durch die hier genannten Faktoren werden Mikroorganismen, Bakterien und Regenwürmer in ihrer Aktivität gehemmt. Der biologische Abbau des Filzes funktioniert jedoch nur, wenn der Boden luftdurchlässig und ausreichend feucht ist. Vor allem bei sandigen Sportplatzaufbauten sind die Mikroorganismen relativ rar. Deshalb wird mit Striegeln und Vertikutieren nachgeholfen.
Beide Massnahmen gehören zum Filz- und Narbenmanagement, unterscheiden sich durch die Intensität. Grundsätzlich haben aber beide Massnahmen das gleiche Ziel, nämlich die Durchlässigkeit für Wasser und Nährstoffe aufrechtzuerhalten. Filzschichten wirken wie ein Schwamm und halten Wasser und Nährstoffe zurück, sind somit nicht für die Wurzeln verfügbar. Durch den Filz leidet natürlich auch die Scherfestigkeit vom Rasen, sie ist massgebend für den Halt vom Rasen.
Striegeln (sanft, häufig möglich)
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kämmt die Oberfläche, zieht totes und loses Material hoch, richtet Halme auf
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regt Bestockung an → dichterer Bestand
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ideal als Saisonstart in den Frühling und begleitend in der Vegetationszeit (nicht in Hitzeperioden)
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oft 2–4×/Jahr, bei Roboterflächen auch häufiger.
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Wichtig: ausgekämmtes Material aufnehmen und abführen
Vertikutieren (intensiv, gezielt einsetzen)
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Messer schneiden in die Narbe und holen Filz heraus
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sinnvoll bei starkem Filz oder wenn Striegeln nicht mehr reicht
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Ausführung: April- Mai/September (bei starkem Wachstum), meist 1×/Jahr
Idealerweise wird das Striegeln oder Vertikutieren mit einer Nachsaat kombiniert, um Lücken rasch möglichst zu schliessen.
5) Nachsaat
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Warum: Lücken schliessen, Verjüngung und neue leistungsfähige Gräser in den Bestand bringen, keinen Platz lassen für Poa annua/Unkraut. Unkraut verdrängen die gewünschten Sportrasengräser.
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Timing: Spätsommer/Frühherbst, oft beste Keimbedingungen (genügend Feuchtigkeit)
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Methode: Für Kleinflächen Saatgut von Hand ausbringen und andrücken, oft auch zusammen mit etwas Rasenerde, um Löcher/Unebenheiten auszugleichen. Grossflächen mit Schlitznachsaat (Overseeder) oder Spikesaat (Speedseeder); Saatmenge oft ca. 15–20 g/m².
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Nachpflege: gleichmässig feucht halten + nach Möglichkeit Belastung reduzieren oder Spielpausen nutzen oder einplanen.
6) Sanden & Schleppen
Das Besanden der Rasenflächen fördert die Durchlässigkeit, verdünnt den Filz und gleicht Unebenheiten mit dem Einschleppen aus. Ohne den Sand ist oft die Rasentragschicht weich, es kommt schneller zu Bodenverdichtung und somit findet weniger Gas-Austausch und Wurzelbildung statt. Was wiederum zu schlechtem Rasenwachstum und bis hin zu Einschränkungen im Spielbetrieb führen kann.
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Menge: Regelmässig 3–5 mm pro Arbeitsgang, mit Quarzsand oder kalkarmem Rheinsand.
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Ausführung: mindestens 1–2 x jahrlich,
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Top-Kombi: Sand in Aerifizierlöcher einschleppen → tiefere, dauerhaftere Wirkung, bessere Infiltration
Abschleppen im Frühjahr
Im März beginnt die Frühlingspflege auf den Rasenplätzen. Das Verschleppen des Wurmaustosses / Wurmhaufens kann bei trockener Witterung ausgeführt werden.
7) Aerifizieren – Luft in den Wurzelraum, Verdichtung raus
Aerifizieren ist ein zentraler Baustein der nachhaltigen Sportrasenpflege. Regelmässig und fachgerecht durchgeführt, sorgt es für mehr Luft/Wasser/Nährstofftransport, tiefere Wurzeln, weniger Staunässe, aktiveres Bodenleben, der auch intensiver Belastung standhält.
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Ausführung: je höher die Belastung, desto öfter, in der Regel 2–4 x jährlich
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Praxis: meist 8–20 cm Tiefe; Zeitpunkt Frühjahr/Herbst, Spielpausen oder bei Verdichtungen (Boden feucht, aber nicht nass).
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Werkzeuge: Hohlspoons (mit Erdzapfen) bei stärkerer Verdichtung/Filz; Vollspoons oft bei laufendem Spielbetrieb oder lehmigem Boden.
8) Tiefenlockern
Das Tiefenlockern ist eine Regenerationsmassnahme, um Bodenverdichtungen in der Tiefe zu lösen. Mit Vollmeisseln (Vollspoons) wird je nach Platzaufbau und Gerät typischerweise 20–30 cm tief in die Rasentragschicht eingedrungen. Entscheidend ist die Kipp- bzw. Hebebewegung (Brechwinkel): Dabei wird der Boden nicht nur perforiert, sondern leicht aufgerissen und gelockert.
Ausführung und Nutzen:
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Der November ist häufig ein guter Zeitpunkt für die Ausführung, weil der Platzbetrieb und die Pflegearbeiten eingestellt werden. Die Massnahme bereitet den Boden auf den Winter und Frühling vor. Sie wird nach dem letzten Rasenschnitt im Jahr ausgeführt.
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Durch die geöffneten Strukturen kann Frost tiefer eindringen; die Frostsprengwirkung unterstützt zusätzlich eine tiefgründige Lockerung und versorgt die Wurzeln mit mehr Sauerstoff. Dies ist vor allem für einen guten Start in den Frühling wichtig. Mit dem nötigen Dünger entsteht wieder ein gutes Wurzelwerk (stärkere Wurzeln = vitalere Grasnarbe).
So wird das Tiefenlockern zu einem wirksamen „Reset“ für den Boden und schafft eine stabile Basis für die nächste Saison.
9) Unkräuter und Krankheiten
Unkräuter im Rasen verdrängen oft die guten Rasengräser. Mit zunehmendem Unkrautbestand und flachwurzelnden Rasengräsern nehmen die Belastbarkeit, Scherfestigkeit und die Regenerationsfähigkeit ab. Eine schlechte Nährstoffversorgung der Rasengräser kann ebenso eine Anhäufung von Begleitkräutern hervorrufen. Die Ausbreitung von Klee weist auf einen Stickstoffmangel im Rasen hin. Der Breitwegerich zeigt die Bodenverdichtung an. Die Hirse liebt die Trockenheit und die heisse Witterung. Wobei sich die Hirse im Herbst von selbst zurückzieht (einjährig). Jedoch sollte alles unternommen werden, um die Verdrängung der guten Rasengräser zu vermeiden. Mit Striegeln und Vertikutieren soll die Ausbreitung möglichst vermieden werden und mit der geeigneten Nachsaat sollen die Löcher rasch mit gutem Saatgut bestückt werden. Dies muss in regelmässigen Abständen geschehen, um dem Unkraut keine Chance zu geben.
Schneeschimmel
Tritt über den Winter die Pilzkrankheit Schneeschimmel auf, entfernt man diese im Frühling durch das Striegeln und Aufnehmen von Material. Mit der anschliessenden Düngung kommt der Rasen wieder in Schuss. Ist der Befall sehr gross, wird auch hier eine Nachsaat ausgebracht. Information zu Schneeschimmel finden Sie hier.
Rotspitzigkeit ist eine verbreitete Pilzkrankheit im Rasen. Sie kommt hauptsächlich durch Stickstoffmangel, hoher Feuchtigkeit und Temperaturen von 15 -20 Grad zu Stande. Mit Düngen und Aerifizieren verbessert man diese Situation. Der bessere Luft- Gasaustausch beziehungsweise die besser Nährstoffversorgung der Wurzeln, helfen den Pilz vom Platz zu verdrängen.
10) Nutzung – Belegung – Budget
Nicht nur die Rasenpflege entscheide über über Qualität und Lebensdauer von einem Fussballrasen. Es hängt zu einem grossen Teil von der Witterung und der richtigen Belegungssteuerung und dem finanziellen Budget ab. Die grössten Schäden entstehen bei Nässe, von Mitte Oktober bis Ende März. Unter schlechten Bedingungen kann ein einziges Spiel mehr Schaden verursachen als mehrere Trainings bei trockenem, tragfähigem Boden.
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Richtwerte zur Belegung: Als Orientierung gelten etwa 500 h/Jahr (Grasnarbe gut), 680 h/Jahr (erste kahle Stellen, v. a. Torräume) und 850 h/Jahr (stark abgespielt) – stark abhängig von Bauart, Pflege und Wetter. Die Belastung sollte dem Wachstum angepasst sein (siehe Tabelle).
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Sperren bei schlechter Witterung schützt den Platz und spart Geld. Gesperrt wird bei wassergesättigtem Boden, Schnee/Reif, Frost-Tauwetter (oben weich, unten gefroren) sowie nach Regenerationsmassnahmen oder auf Anordnung des Platzwarts.
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Pflegebudget beeinflusst die Belastbarkeit. Weniger Unterhalt bedeutet weniger Tragfähigkeit, mehr Schäden, längere Spielpausen und am Ende teure Sanierungen.
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Regeneration ist Pflicht. Neben der Grundpflege (Mähen, Düngen, Bewässern, Reinigen) braucht es jährlich gezielte Regenerationsmassnahmen (z. B. Aerifizieren, Sanden, Nachsaat), damit die Fläche dauerhaft bespielbar bleibt.
- Belastung muss verteilt werden. Mobile Tore regelmässig versetzen, Trainingszonen wechseln, Schwerpunkte variieren und Konditionstraining ausserhalb des Feldes durchführen – so bleibt die Grasnarbe länger stabil.
Fazit
Das Erfolgsrezept für einen belastbaren Fussballrasen ist kein Geheimnis, es kommt auf das richtige Verhältnis der verschiedenen Faktoren an, welche mit der nötigen Konsequenz umgesetzt werden.
Mähen ist die zentrale Stellschraube für Dichte und Spielqualität. Düngen und Wässern liefern die Energie und Stabilität, damit der Rasen Belastung wegsteckt und schnell regeneriert. Striegeln/Vertikutieren halten Filz in Schach und schaffen eine aktive Narbe – die beste Basis für Nachsaat, damit Lücken gar nicht erst von Ungräsern übernommen werden. Sanden, Einschleppen und Aerifizieren verbessern die Bodenfunktion nachhaltig, während Tiefenlockern die Verdichtungen über den Winter aufbricht.
Und am Ende gilt: Ohne Nutzungsmanagement (Sperren bei Nässe, Belastung lenken) wird jede Pflegewirkung schneller wieder zunichtegemacht.
Trüb für Grün, Rasenpflege, Sportplatzbau, Fussballrasen, Felix Glättli

