Nutzung von Fussballplätzen
Warum Belegungssteuerung über Lebensdauer und Kosten entscheidet
Ein Fussballplatz ist ein lebendiges Produkt, dass nach dem Bau weiter erhalten wird. Es steht und fällt mit der Pflege – und mit der Art, wie der Platz genutzt wird. Sobald Nutzung, Witterung und Regeneration nicht mehr zusammenpassen, kippt das System: Die Grasnarbe wird lückig, der Boden verdichtet, die Schäden nehmen zu – und die Spielpausen werden länger.
Die Belastung der Sportrasenflächen ist in den vergangenen Jahren immer stetig gestiegen. Der Zuwachs von neuen Spielern und Spielerinnen in allen Alterskategorien ist erfreulich. Sie hat aber auch eine Kehrseite. Die Überbelastung ist vorprogrammiert, da nicht genügend Naturrasenflächen zur Verfügung stehen. Wünschenswert wäre, wenn zusätzliche Fussballplätze gebaut werden könnten, um der Nachfrage gerecht zu werden.
Nutzung ist immer auch eine Abnutzung
Bekanntlich verursacht der Spiel- und Trainingsbetrieb die grössten Schäden bei nasser Witterung sowie in der wachstumsschwachen Zeit. Bei tiefen Temperaturen reduziert der Rasen seine Regeneration stark; unter ca. 10 °C ist nur noch sehr wenig bis kein Wachstum vorhanden und somit findest auch keine oder nur sehr langsame Regeneration statt.
Für die Praxis heisst das: Die Belastungsstunden müssen dem Rasenwachstum angepasst sein (siehe Abbildung). Gleiche Belegungsstunden wirken im Sommer oft „harmlos“, können im Frühling und Spätherbst/Winter aber massive Schäden auslösen.
Richtwerte zur Belegung: Was ist für Naturrasen realistisch?
Als Orientierung können folgende Richtwerte für die Benutzung festgehalten werden:
bis 510 h/Jahr (6–15 h/Woche) → Grasnarbe gut
bis 680 h/Jahr (15–20 h/Woche) → lockere Stellen (vor allem Mittelachse und Torräume)
bis 850 h/Jahr (20–25 h/Woche) → Mittelfeld/Zentrum/Torräume stark abgespielt
Wann muss ein Rasenspielfeld gesperrt werden?
Ein Platz sollte gesperrt werden, wenn die Nutzung zwangsläufig zu nachhaltigen Schäden führt – zum Beispiel:
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Wassergesättigter Boden / Staunässe (Tragfähigkeit weg, Verdichtung und Scherkräfte steigen)
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Schnee, Reif, Eis
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Tauwetter-Phase: Oberfläche weich, Untergrund noch gefroren
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nach grösseren Pflege- oder Regenerationsmassnahmen (Nachsaat, Sanden/Aerifizieren etc.)
Grundpflege vs. Regenerationspflege: Nutzung funktioniert nur im Paket
In der Rasenpflege unterscheidet man:
Grundpflege (laufend): Mähen, Bewässern, Düngen, Reinigung, kleine Pflegearbeiten (z. B. ausgetretene Rasenstücke an Ort wieder festdrücken, Löcher schliessen, Nachsaat von Hand).
Regeneration (geplant): Massnahmen zur Erhaltung der Bausubstanz und Spielbarkeit (z. B. Aerifizieren, Sanden, Striegeln, Nachsaat/Rollrasen in Problemzonen).
Die Schweizer Planungsgrundlagen zu Naturrasen (BASPO / 121 – Naturrasen) betonen, dass Anforderungen an Planung, Bau und Unterhalt hoch sind, weil das Feld möglichst häufig bespielbar und gleichzeitig sicher bleiben soll.
Wichtig:
Wer Regeneration auslässt, „spart“ kurzfristig – bezahlt aber später mit Sperrzeiten, Qualitätsverlust und teuren Sanierungen.
Kosten–Nutzen: Pflegebudget bestimmt die Belastbarkeit
Die Kosten für die Jahrespflege (je nach Bausystem und Anspruch) belaufen sich auf ca. 6–12 Fr./m² pro Jahr. Diese Kosten sind direkt mit der möglichen Belastung verknüpft (je mehr Unterhalt, desto belastbarer; je weniger, desto längere Pausen und mehr Schäden).
Höhere Pflegekosten = höhere Wochenbelastung möglich – allerdings nur, wenn Nutzung gleichmässig verteilt wird und Sperrregeln eingehalten werden.
Nutzungssteuerung = Platzschonung
a) Belastung verteilen (statt konzentrieren)
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Tore regelmässig versetzen/querstellen (Punktbelastung vermeiden)
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Trainingsschwerpunkte rotieren (nicht immer „Zentrum/Torraum“)
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Kondition/Koordination ausserhalb des Spielfelds durchführen
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Bei Gruppen: Feld in Zonen/Kleinspielfelder aufteilen und konsequent wechseln (Belastung wird planbar)
b) Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
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Ausgetretene Soden sofort einsetzen und antreten
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Löcher schliessen, Unebenheiten glätten (Sicherheit + weniger Folgeschäden)
c) Vegetationsfenster und Sperrzeiten respektieren
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Der Saisonstart beginnt erst nach dem 1. Rasenschnitt im Frühling. Erst ab dann beginnt der Rasen selber zu regenerieren. Ein genaues Datum gibt es dafür nicht. Die Natur gibt den Termin jedes Jahr von neuem vor.
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Die meisten Schäden im Rasen entstehen in der vegetationslosen Zeit bei Temperaturen unter 10 Grad
- Frühjahr und Herbst sind die besten Pflege- und Regenerationszeiten
Fazit
Ein Naturrasenplatz bleibt nur dann dauerhaft bespielbar, wenn Nutzung, Pflege und Regeneration zusammenpassen. Richtwerte wie 500–800 h/Jahr geben Orientierung, aber die entscheidende Stellschraube ist die tägliche Entscheidung: Ist der Platz heute tragfähig – oder richtet eine Einheit mehr Schaden an, als sie sportlich bringt? Wer konsequent sperrt, Belastung verteilt und Regeneration einplant, spart am Ende Geld, verhindert lange Ausfälle und sichert die Spielqualität über Jahre.
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