Nachsaat

Nachsaat (Übersaat) auf Sportplätzen: So wird die Grasnarbe wieder dicht und belastbar

Die Nachsaat ist eine der wichtigsten Regenerationsmassnahmen im Sportplatzunterhalt. Sie schliesst Lücken und Löcher in der Grasnarbe, ersetzt unerwünschte oder schwache Arten (z. B. flachwurzelnde Fremdgräser, Poa annua) und hält den Bestand dauerhaft dicht, trittfest und spielfähig. Besonders auf Fussballrasen entscheidet die Bestandsdichte darüber, ob sich Unkraut und Ungräser etablieren – oder ob die gewünschten Sportplatzgräser die Fläche dominieren.

Warum entstehen Lücken – und warum hilft Nachsaat?

Typische Ursachen für Kahlstellen und Bestandsverschlechterung:

  • Starke Nutzung / Scherbelastung (Torräume, Mittelkreis, Laufzonen)

  • Witterungseinflüsse: Hitze/Trockenstress, Staunässe, Frostschäden

  • Pflegefehler: falsche Schnitthöhe, zu seltenes Mähen, falsche Bewässerungsintervalle, zu späte Regeneration

  • Veränderte Gräserzusammensetzung: gute Arten nehmen ab, unerwünschte Arten nehmen zu

  • Ausbreitung von Unkraut und Fremdgräsern bei offenen Bodenstellen

Nachsaat wirkt wie eine „Rasenverjüngung“: Sie bringt neue, leistungsfähige Sorten in den Bestand, verbessert Stress- und Krankheitsresistenz und erhöht die Dichte – das ist die beste natürliche „Unkrautbremse“. 

Der richtige Zeitpunkt

Für sichere Keimung gilt als Praxisregel: Bodentemperatur stabil über ca. 10 °C und ausreichend Bodenfeuchte. In Mitteleuropa sind darum Spätsommer/Frühherbst und – je nach Region – Frühjahr meist ideal.

Wichtig auf Sportplätzen:

  • Nachsaat möglichst früh bei ersten Kahlstellen einplanen (nicht warten, bis ganze Zonen offen sind).

  • Wenn möglich: Spielpause einplanen – je besser die Keimbedingungen, desto schneller ist die Fläche wieder belastbar. 

Saatgut und Saatmenge

Für Sportplätze nutzt man Regenerations-/Nachsaatmischungen, die auf schnelles Auflaufen sind. Sie füllen Lücken rasch, stabilisieren die Grasnarbe und helfen, Ungräser wie Poa annua und Poa trivialis zurückzudrängen – vor allem durch Dichte und Konkurrenz. Hohe Regenerationsleistung liefern typischerweise Mischungen mit Lolium perenne (schnelle Keimung/Schliessung). Für die langfristige Belastbarkeit ist Poa pratensis im Bestand wichtig, kommt aber langsamer. (Darum sind wiederholte Übersaaten so wirksam.)

Als typische Grössenordnung im Sportplatzalltag liegt die Nachsaat häufig bei ca. 15–20 g/m² (abhängig von Mischung, Ziel und Lückenanteil). Bei Regenerationsmischungen werden je nach Produkt auch breitere Empfehlungen (z. B. 10–30 g/m²) angegeben. Grössere Mengen bringt man in zwei Arbeitsgängen aus, z. B. 1 x längs und 1x diagonal, zu je 15 g/m2. 

Wichtig: Eine Überdosis an Saatgut nützt nichts. Die Gräser konkurrieren sich gegenseitig. Das stärkere Gras gewinnt und das unterdrückte geht ein. Bei der Nachsaat gilt: Der stetige Tropfen höhlt den Stein. Gerade auf intensiv genutzten Plätzen ist die Nachsaat keine Einmal-Aktion, sondern Teil des Systems: Mehrmalige Übersaat mit Regenerationsmischung wird empfohlen, um die Narbe dauerhaft dicht zu halten und die Ausbreitung von den flach wurzelnden Poa-Arten zu bremsen. Zudem sind die saubere Ablage und die Feuchte ebenso entscheidend, wie die Saatmenge selbst. 

Welche Methoden gibt es?

1) Handnachsaat (Grundpflege / Kleinflächen)

Einsatz: kleine Schadstellen, Nacharbeiten, Randzonen, Torräume punktuell
Vorteil: durch Platzwart schnell und flexibel
Nachteil: Saat liegt oft zu Oberst  → Austrocknung/Vogelfraß, ungleichmässiger Bodenkontakt

2) Spikesaat (Loch-/Eindrücksaat)

Einsatz: Lückige Oberfläche, jedoch der Bodenkontakt verbessert werden muss
Vorteil: mehr Bodenkontakt als Streusaat
Nachteil: weniger präzise Ablage als Schlitzsaat

3) Schlitznachsaat (Overseeder)

Einsatz: Die Maschine schlitzt die Narbe und legt das Saatgut geschützt direkt in den Boden. Besonders in abgespielten Zonen. Schlitzabstände im Bereich von rund 3 cm beim Overseeder-Systemen sind üblich.

Vorteil: effiziente, gleichmäßige Nachsaat mit Bodenanschluss, leichter Beschattung und höherer Keimsicherheit als reine Streusaat. Positiver Nebeneffekt: Das Schneiden/Anritzen regt bei ausläuferbildenden Gräsern (z. B. Wiesenrispe) die Bestockung/Seitentriebbildung an – die Narbe wird dichter.
Nachteil: Schönwettermaschine, verträgt keine Feuchtigkeit, nur für DIN Plätze geeignet. Schlitzscheiben anfällig auf Beschädigungen, z. B. Steine.

So gelingt die Nachsaat auf dem Sportplatz

  1. Bestand beurteilen

  • Wo sind die Schadstellen (Torräume, Linien, Mittelkreis)?

  • Wie ist die Gräserzusammensetzung (Anteil Poa annua/Fremdgräser)?

  1. Vorbereitung der Fläche

  • Kurz mähen (aber nicht „skalpen“)

  • Filz/Altmaterial reduzieren (je nach Zustand z. B. striegeln/ vertikutieren)

  • Bei Bedarf aerifizieren und/oder sanden (Topdressen), damit Saatgut mit Bodenkontakt eingebettet werden kann

  1. Saat einbringen

  • Kleinflächen: Handnachsaat + leicht einarbeiten/andrücken

  • Grossflächen: Spikesaat oder Schlitzsaat (Overseeder)

  1. Pflege der Nachsaat

  • Wässern, konstant feucht halten (nicht vernässen), bis die Keimung durch ist

  • Belastung vermeiden: Spielpausen helfen der Etablierung

  • Bedarfsgerechte Startnährstoffe (Düngung) zuführen 

Fertigrasen für grössere Kahlstellen und wenn es schnell gehen muss

Bei grossen offenen Stellen – oder wenn die Spielpause zu kurz ist – werden Zonen, wie zum Beispiel Torräume, häufig mit Fertigrasen geschlossen, weil Saat je nach Jahreszeit und Regenerationsfenster nicht schnell genug tragfähig wird.

⚽ Fazit

Nachsaat ist die Schlüsselmassnahme für eine dichte, belastbare Sportplatznarbe. Sie schliesst Lücken, verjüngt den Bestand, verbessert die Sortenqualität und reduziert den Druck durch Unkraut und Poa annua – am effizientesten maschinell als Schlitznachsaat. Entscheidend sind Timing (Bodentemperatur), Bodenkontakt, Feuchte und am besten eine Spielpause.

Trüb für Grün AG, Sportplatzbau und Sportplatzpflege, Felix Glättli. Rasenunterhalt, Rasenpflege