Bewässern

Bewässerung von Sportrasenflächen

Eine bedarfsgerechte Bewässerung ist einer der wichtigsten Pflegebausteine für eine dichte, belastbare Grasnarbe – besonders in Trockenphasen, bei hoher Nutzung und auf sandigen Rasentragschichten. Ziel ist nicht „viel Grün um jeden Preis“, sondern ein tief verwurzelter, regenerationsstarker und gut bespielbarer Sportrasen.

Grundregel für den bestehenden Sportrasen

Lange Beregnungsintervalle mit viel Wasser
Wer täglich nur wenig wässert, verwöhnt den Rasen in der obersten Schicht. Ein grosser Teil der Feuchtigkeit bleibt an der Oberfläche und verdunstet, die Wurzeln bleiben flach – und der Platz leidet schneller bei Hitze, Wind und Belastung. 

Besser: In trockenen Phasen 1–3 × pro Woche frühmorgens wässern, dafür gründlich. Der Beregnungsintervall richtet sich nach den Tagestemperaturen. Frühmorgens ist der Verdunstungsverlust am kleinsten; bei Sonnenschein verdunstet ein Teil des Wassers direkt, bevor es im Wurzelraum ankommt. Das Verbrennen der Rasengräser durch die Wassergaben bei Sonnenschein ist ein Mythos.

Warum das wirkt:
Liegt das Wasser in tieferen Schichten, fördert es die tiefe Durchwurzelung und erhöht die Trockenstresstoleranz.

Kontrolle: Regenmesser, Spaten- und Fusstrittprobe

Was am einfachsten klingt, ist in der Praxis die häufigste Frage: „Wie viel ist genug?“ – Die sichere Antwort liefert die Kontrolle.

  • Regenmesserbecher / Niederschlagsmesser:
    1 Teilstrich = 1 mm Niederschlag = 1 Liter Wasser pro m²

  • Spatenprobe:
    Ziel ist, dass der Boden im Wurzelraum ca. 15–20 cm tief gleichmässig feucht ist (nicht nass, nicht schmierig).

    • Fusstrittprobe:
      Die Gräser dürfen an den Welkpunkt gebracht werden (bläuliche Verfärbungen der Gräser). Dies ist der letzte Zeitpunkt, bevor Schäden an der Grasnarbe auftreten können. Mit der Fusstrittprobe kann dies einfach festgestellt werden. Stehen die Grashalme nach dem Betreten wieder von selber schnell auf, ist genügend Wasser in den Pflanzenzellen vorhanden. Richten sich die Gräser nur sehr langsam oder gar nicht auf, ist es höchste Zeit für eine ausgedehnte Wassergabe. Der sogenannte Turgor (Turgordruck) ist somit nicht mehr in der Pflanzenzelle vorhanden und die Grashalme haben dadurch eine geringe Stabilität und Gewebespannung. Verpasst man den Zeitpunkt der Bewässerung, können Schäden in der Grasnarbe auftreten. Diese Methode erfordert Fachwissen und viel Fingerspitzengefühl.

Wichtig: Der Abdrift mit Wind kann die Wassermenge stark verschieben. Bewässerungsanlagen, die in der Nacht die Arbeit erledigen und bei denen keine Regenmessungskontrolle erfolgt, können am nächsten Tag auf einen trockenen Sportplatz stossen. In diesem Fall müsste eine Nachwässerung erfolgen. 

Auf schweren Böden (lehmig) versickert Wasser langsamer – dort gegebenenfalls in zwei Zyklen wässern (z. B. 10 mm + Pause + 10 mm), damit das Wasser nicht oberflächlich abläuft.

Was bezweckt eine gute Bewässerungsstrategie

Eine gute Wassergabe unterstützt und verbessert:

  • Wuchskraft der Rasengräser

  • Tiefenwachstum der Wurzeln

  • Regenerationskraft nach Belastung

  • Nährstofffreisetzung aus der Düngung

  • Nährstofftransport innerhalb der Pflanze

  • Bespielbarkeit und gleichmässige Platzqualität im Sommer

  • Scherfestigkeit (indirekt: durch vitale Wurzeln und stabile Narbe)

Welche Sportrasensituation wird bewässert?

Die Strategie unterscheidet sich deutlich je nach Zustand:

  1. Bestehender Rasen (Normalbetrieb)

  2. Nachsaat (Übersaat)

  3. Nach Regenerationsmassnahmen (Vertikutieren, Aerifizieren, Besanden etc.)

  4. Nach Rollrasenverlegung

  5. Neusaat

1) Bewässerung bestehender Rasen (Normalbetrieb)

Mit folgender Tabelle lässt sich der Beregnungsabstand grob aus Tagestemperatur und Wasserverbrauch ableiten:

Tageshöchsttemp. (°C)Wasserverbrauch (l/m²/Tag)Beregnungsabstand (Tage)
> 35> 71
30 – 355 – 62 – 3
25 – 303 – 44 – 5
10 – 252 – 38 – 10
< 201 – 210 – 15

Beispiel:
Bei 30 °C werden ca. 5 l/m²/Tag verbraucht. Wenn pro Bewässerung 15 l/m² ausgebracht werden, ist die nächste Wassergabe nach 3 Tagen fällig. So kann der Wasserhaushalt für diese Situation stabil gehalten werden, abhängig von der Bodenart, Wind, Nutzung und natürlichen Niederschlägen. 

2) Bewässerung bei Nachsaat (Übersaat)

Die Nachsaat ist oft leicht beschattet (durch vorhandene Gräser) und trocknet dadurch etwas weniger schnell aus – trotzdem darf die Keimzone nicht austrocknen. Gleichzeitig soll die Bewässerung nicht dauerhaft die Oberfläche befeuchten, damit flachwurzelnde Ungräser (z. B. Poa annua) nicht zusätzlich profitieren und die Pilzkrankheiten bei hohen Tagestemperaturen und ständiger Nässe gefördert werden.

Nach der Durchführung der Nachsaat muss die Rasenfläche bewässert werden sofern kein Niederschlag erfolgt. Ansonsten verzögert sicher die Keimung und diese Wachstumszeit geht verloren.

Richtwerte Nachsaat (Praxisvorschlag für die Sommermonate)

WocheBewässerungsintervallWassermenge pro IntervallBewässerungstiefeZiel
1–32–3 × pro Tag2–3 l/m²3–5 cmKeimlinge feucht halten
4–62 × pro Woche8–10 l/m²12–15 cmWurzelwachstum in die Tiefe fördern

Für die Übersaaten in den Monaten April und Oktober und gegebenenfalls auch im Mai und September reichen die natürlichen Niederschläge in den meisten Fällen aus. Da die tieferen Temperaturen am Tag und in der Nacht viel zum guten Gelingen beitragen. Nichtsdestotrotz muss die Feuchtigkeit im Auge behalten werden. Für Rasenflächen ohne Bewässerungsanlage lohnt es sich, die Nachsaat in den feuchteren Monaten auszuführen. Kontrollen sind unerlässlich.

3) Bewässerung nach Regenerationsmassnahmen

Regenerationsmassnahmen verbessern nicht nur die Oberfläche, sondern auch den Wurzelraum – Wasser unterstützt diesen Effekt, besonders im Sommer: Regeneration + Bewässerung wirkt positiv auf die Regenerationskraft.

Regeneration mit Nachsaat

Hier entstehen zwei gegensätzliche Anforderungen:

  • Nachsaat braucht häufige, kleine Wassergaben (Keimzone feucht halten)

  • Bestand braucht tiefe, gründliche Wassergaben (15–20 cm)

Praxis: Mittelweg wählen, die Nachsaat darf nicht austrocknen. Zusätzlich sollten 1–2 Wassergaben pro Woche so ausgeführt werden, dass sie den Bestand in 15–20 cm Tiefe erreichen. Kontrolle mit Spatenprobe/Regenmesser.

Regeneration ohne Nachsaat

Dann gilt klar die Grundregel: tiefgründig und bei Bedarf zusätzlich wässern.

Beispiel (mögliches Schema):

  • Normale Bewässerung: 2 × pro Woche 15–20 l/m²

  • Zusätzlich (Regenerationssupport): 1 × pro Woche 10 l/m²

4) Bewässerung nach Rollrasenverlegung

Nach dem Verlegen in dem Sommermonaten muss sofort gewässert werden, damit der Rollrasen Anschluss an den Untergrund findet. Ränder trocknen am schnellsten aus.

Richtwerte Rollrasen für den Sommer

PhaseLiter pro m²Intervall
Beim Verlegen10–20 l/m²sofort
1. Woche3–5 l/m²2–3 × pro Tag
2. Woche5–10 l/m²1× pro Tag
3. Woche10–15 l/m²2–3 × pro Woche
4. Woche15–20 l/m²1–2 × pro Woche

Hinweis: Das sind Richtwerte – Witterung, Wind und Bodenstruktur (Untergrund) können mehr oder weniger erfordern.

Nach Woche 4 kann in der Regel in den Normalbetrieb übergegangen werden:
so viel wie nötig, aber nicht verwöhnen. Ein überverwöhnter Sportrasen ist oft weniger strapazierfähig als ein knapp, aber korrekt bewässerter Platz.

Fertigrasen in den Frühlings- oder Herbstmonaten muss beim Verlegen einmal gewässert werden und danach der Witterung entsprechend beobachtet werden. Solange die Rasensode nicht angewachsen ist, kann sie an einer Ecke angehoben werden, um die Feuchtigkeit darunter zu kontrollieren.

Achtung! Enthält der Fertigrasen übermässigen Filz, wird Wasser in der Rasensode wie ein Schwamm zurückgehalten. Dies hemmt die Tiefendurchwurzelung. In diesem Fall kommen nach der Anwachsphase die Regenerationsarbeiten, wie zum Beispiel das Aerifizieren oder Vertikutieren zum Einsatz.

5) Bewässerung bei Neusaat

In der Startphase gilt das Gegenteil der Grundregel:
Die Samen müssen stetig feucht bleiben, weil sie noch keine Wurzeln haben. Viel Wasser auf einmal bringt hier wenig.

Je nach Art keimt Rasensaat mit Keimbeschleunigung nach 6–10 Tagen; Poa pratensis (Wiesenrispe) kann ohne Keimbeschleunigung bis ca. 18 Tage benötigen. Die Keimdauer wird neben dem verfügbaren Wasser stark von der Wärme beeinflusst. Die Neusaaten ab November, keimen unter Umständen erst im Frühling. Dies aus dem einfachen Grund der fehlenden Wärme.

Richtwerte Neusaat (Praxisvorschlag Sommer)

WocheIntervallMenge pro IntervallBewässerungstiefeZiel
1–32–5× pro Tag2–3 l/m²3–5 cmKeimlinge feucht halten
4–61× pro Tag3–10 l/m²5–10 cmWurzeln in die Tiefe lenken
7–81× pro 3 Tage10–15 l/m²10–15 cmTiefenwurzelung fördern

Kontrolle immer über Spatenprobe oder Regenmesser.

Praxis-Tipps für Sportplätze

  • Wind kann den Wasserbedarf massiv erhöhen und die Verteilung über die Beregnungsanlage erschweren → wenn möglich windarme Zeiten nutzen (frühmorgens).

  • Ungleichmässige Beregnung ist ein Klassiker: Regner prüfen, Druck/Überlappung kontrollieren, trockene Flecken markieren.

  • Staunässe vermeiden: Nasshalten ist nicht gleich gut wässern – nasser Boden reduziert Sauerstoff im Wurzelraum und schwächt den Rasen.

  • Bewässern und Düngung: Nach Düngergaben ist eine passende Wassermenge wichtig, damit Nährstoffe in den Wurzelraum gelangen (ohne Abschwemmung).

⚽ Fazit

Eine professionelle Bewässerung ist beim Sportrasen kein „tägliches Giessen“, sondern gezieltes Wassermanagement. Im Normalbetrieb gilt: selten, aber durchdringend – damit das Wasser den Wurzelraum erreicht, die Wurzeln in die Tiefe wachsen und der Platz auch in Hitzephasen belastbar bleibt. Gleichzeitig muss die Bewässerung immer an Situation und Entwicklungsstadium angepasst werden: Neusaat und Nachsaat brauchen anfangs häufige, kleine Gaben, während bestehender Rasen vor allem von tiefgründigen Intervallen profitiert.

Entscheidend ist die Kontrolle: Regenmesser und Spatenprobe zeigen zuverlässig, ob die gewünschte Feuchtigkeitstiefe erreicht wird. Wer so bewässert, verbessert nicht nur die Optik, sondern vor allem Scherfestigkeit, Regeneration und Bespielbarkeit – und sichert damit eine stabile, geschlossene Grasnarbe über die gesamte Saison.

Trüb für Grün AG, Horgen Sportrasenpflege, Sportplatzbau, Fussballrasen, Rasenpflege, Felix Glättli