Vertikutieren von Sportrasenflächen
Das Vertikutieren ist eine zentrale Pflegemassnahme im Unterhalt von Sportrasenflächen. Ziel dieser Arbeit ist in erster Linie die Reduktion des Rasenfilzes sowie die Verbesserung der Wasser-, Luft- und Nährstoffdurchlässigkeit in die Rasentragschicht. Die Filzschicht entsteht dann, wenn der Anteil der abgestorbene Grünmasse grösser ist als deren Abbau durch die Boden-Mikroorganismen überhaupt möglich ist. Gerade auf stark genutzten Sportrasenflächen ist ein kontrollierter Umgang mit diesen Parameter entscheidend, um die Belastbarkeit und Regenerationsfähigkeit des Rasens langfristig zu sichern.
Was passiert beim Vertikutieren?
Beim Vertikutieren schneiden senkrecht stehende Messer in die Grasnarbe ein und ziehen möglichst viel Filz, tote Blätter, Wurzeln und Ausläufer der Gräser aus der Oberfläche heraus. Die Arbeitstiefe ist dabei korrekt einzustellen:
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der gesamte Filz-Horizont soll erfasst werden
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die Rasentragschicht wird leicht angeritzt
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Ausläufertreibende Gräser werden zum Seitenwachstum angeregt (Poa pratensis, Wiesenrispe), kleinere Löcher werden geschossen
Ein zu tief eingestelltes Gerät führt zu unnötigem Verschleiss der Vertikutiermesser und kann die Wurzeln der Gräser beschädigen. Während ein zu flaches Arbeiten kaum Wirkung zeigt. Fachwissen und Erfahrung sind deshalb gefragt.
Der richtige Zeitpunkt
Der ideale Zeitraum für das Vertikutieren liegt in der Regel ab Mitte April / Juni, nach der zweiten Düngergabe. Oder im September / Mitte Oktober. Zu diesem Zeitpunkt:
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ist das Wachstum der Gräser am stärksten
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kann der Rasen entstandene Lücken rasch wieder schliessen
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entfaltet der Dünger seine volle Wirkung
Auf Fussballplätzen mit hoher Belastung ist jedoch Vorsicht geboten: In dieser Phase sind die Plätze meist intensiv genutzt. Das Vertikutieren stellt einen zusätzlichen Eingriff dar und erhöht kurzfristig die Belastung der Fläche. Deshalb gilt: Jeder Sportplatz muss individuell beurteilt werden, abhängig von Nutzung, Zustand der Grasnarbe und Regenerationsmöglichkeiten.
Bei Schulhausplätzen und Freizeitanlagen mit geringerer Beanspruchung hat sich das Vertikutieren hingegen als ideale jährliche Pflegemassnahme im Bereich der Frühlings- oder Herbstferien bewährt.
Was ist Rasenfilz – und warum ist er problematisch?
Als Rasenfilz bezeichnet man die Anreicherung organischer Masse an der Bodenoberfläche. Dieser besteht aus:
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abgestorbenen Blättern und Wurzeln
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Ausläufern der Gräser
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Schnittresten
Rasenfilz entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen Neubildung und Abbau organischer Masse. Ursachen dafür sind unter anderem:
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zu wenig Mikroorganismen in sandigen Bodenaufbauten
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Trockenheit
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zu schwache oder intensive Bewässerung
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einseitige Gaben mit rasch wirkenden Stickstoffdüngern
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Bodenverdichtung durch Benutzung (Fussballspiel)
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eingeschränkter Lufthaushalt im Boden (durch Verdichtung)
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Mähen ohne Schnittgutaufnahme (mulchen)
Durch die hier genannte Faktoren werden Mikroorganismen, Bakterien und Regenwürmer in ihrer Aktivität gehemmt. Der biologische Abbau des Filzes funktioniert jedoch nur, wenn der Boden luftdurchlässig und ausreichend feucht ist. Die Luftdurchlässigkeit erreicht man mit dem Aerifizieren vom Fussballplatz.
Warum Rasenfilz unerwünscht ist
Ein übermässiger Filzanteil verändert die Eigenschaften des Rasens massiv:
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hoher Wasserrückhalt (Schwammeffekt)
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Verlust der Strapazierfähigkeit (geringe Scherfestigkeit)
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geringe Tiefendurchwurzelung
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reduzierte Widerstandsfähigkeit bei Trockenheit
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schlechte Wirkung von Übersaaten (kein Bodenkontakt)
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kein nachhaltiger Nährstoffspeicher
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erhöhte Krankheitsanfälligkeit
Bleibt Niederschlag oder das Wasser der Bewässerungsanlage im Filz hängen – dringt kein Wasser mehr in den Boden zu den Wurzeln ein. Die Folge sind flache Wurzeln, wenig bis keine Scherfestigkeit, ein krankheits- und trockenheitsanfälliger Rasen.
Vertikutieren als Teil eines Gesamtkonzepts
Zur Filzbekämpfung stehen mehrere Massnahmen zur Verfügung:
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Vertikutieren bei stark verfilzten Grasnarben
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Striegeln bei wenig verfilzten, stark genutzten Sportrasenflächen
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Aerifizieren mit Hohlspoons, um den Filz zu durchbrechen und den Abbau zu fördern
Besonders effektiv ist das Einschleppen von Sand in die Aerifizierlöcher. Dadurch wird die Durchlässigkeit und Lufthaushalt gefördert. Was wiederum die Aktivität der Mikroorganismen in der Rasentragschicht nachhaltig verbessert.
Fazit:
Das Vertikutieren ist eine wirkungsvolle, aber eingriffsintensive Pflegemassnahme. Richtig geplant, fachgerecht ausgeführt und in ein ganzheitliches Pflegekonzept eingebettet, trägt sie entscheidend zu einem dichten, belastbaren und gesunden Fussballrasen bei.
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